Nach dem Ende des ständigen Innehaltens

Was Ingo Pohn-Lauggas zitierend schreibt,

„dass ich „beim Lesen eines Buches nicht aus Desinteresse, sondern im Gegenteil, aufgrund von Gedanken, Erregungen und Assoziationen“ in meiner Lektüre „ständig innehalten“ musste“, *)

hatte ich in einer selten erlebten Intensität die letzten Monate mit Prousts „Suche …“ Und jetzt nach dem Ende sowas wie Phantomschmerzen, als sei mir eine Welt amputiert worden.


*) Nachdem Ingolf Erler für Roland Barthes schon sein Tagen die Geburtstagsfanfare spielt und Wolfgang Kauders mich mit der zitierten Frage, ob es mir noch nie passiert sei, dass ich „beim Lesen eines Buches nicht aus Desinteresse, sondern im Gegenteil, aufgrund von Gedanken, Erregungen und Assoziationen“ in meiner Lektüre „ständig innehalten“ musste, mich mit dieser Frage also umgehend an die „Fragmente einer Sprache der Liebe“ denken ließ, die ich immer wieder genau so: innehalten müssend lese, dachte ich mir, ich würdige Barthes an seinem Geburtstag mit einem schönen Zitat aus diesem Werk. Doch will das nicht gehen: Er ist so präzis im Benennen der „Figuren“, dass jede Stelle, erhöbe ich sie zu einem „Lieblingszitat“, zu intim wäre, um sie auf Facebook zu veröffentlichen. Zu viel meiner eigenen Intimität preisgäbe, wohlgemerkt. Nur wer solche Lektüre nicht erfahren hat, könnte Anna Babkas Geburtstagsgruß „Je l’aime, Monsieur Barthes“ für zu dick aufgetragen halten. So entscheide ich mich gewissermaßen für ein Meta-Zitat, in dem genau solches benannt wird: „Ist das Bild immer visuell? Es kann auch klanglich, das Guckloch kann auch sprachlicher Art sein: ich kann mich in einen Satz verlieben, der mir gesagt wurde: und nicht nur deshalb, weil er mir etwas sagt, was meine Begierde betrifft, sondern aufgrund seiner syntaktischen Wendung (seines ‚Hofes‘), die in mir heimisch werden wird wie eine Erinnerung.“

https://www.facebook.com/ingo.lauggas/posts/1086151114730752

13.11.2020