Das Fehlen jeglichen literarischen Talents

„Während der Eisenbahnfahrt, die ich unternahm, um schließlich nach Paris zurückzukehren, überfiel mich der Gedanke an das Fehlen jeglichen literarischen Talents bei mir, den ich einst auf der Seite von Guermantes entdeckt zu haben meinte, den ich mit noch größerer Traurigkeit während meiner täglichen Spaziergänge mit Gilberte vor der Rückkehr zum Abendessen, schon spät in der Nacht, in Tansonville wiedererkannt und am Abend vor meiner Abreise von jenem Landsitz bei der Lektüre einiger Seiten aus dem Tagebuch der Goncourts in etwa mit der Eitelkeit und Verlogenheit der Literatur identifiziert hatte, dieser Gedanke, der vielleicht weniger schmerzlich, dafür umso trostloser war, wenn ich ihn nicht an einer persönlichen Unzulänglichkeit, sondern an der Nichtexistenz eines Ideals festmachte, an das ich geglaubt hatte, dieser Gedanke also, der mir schon seit ziemlich langer Zeit nicht mehr in den Sinn gekommen war, überfiel mich von neuem und mit einer beklagenswerteren Gewalt als je zuvor. Es war, wie ich mich erinnere, bei einem Halt des Zuges auf freier Strecke.“

Proust, Wiedergefundene Zeit. S. 231

27.10.2020